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 “Achtung Kontrolle” – Ja ist denn das …


zu glauben?

Gerade eben endete eine viel gesehene Fernsehsendung, die ich mir normaler Weise niemals ansehen würde. Ja nun, ich bin momentan sozusagen im Film "Thorsten allein zu Haus" und da schaut man auch mal etwas anderes. Aber was ich da gesehen habe, ist eigentlich kaum zu glauben.

Worum geht es überhaupt werden Sie sich jetzt sicher fragen, es sei denn Sie schauen diese Sendung regelmäßig.

Der liebe Sender "Kabel 1" hat sich hier ein Format ausgedacht, das von den kleinen Alltagssünden, bei grün über die Ampel gehen, Parkvergehen und so weiter, bis hin zum Betrugsdelikt, also wirklich kriminellen Vergehen alles abdecken soll.

So weit so gut. Eine Sendung, die die Bürger darüber aufklärt, was man alles darf und was auf keinen Fall, ist doch schon mal recht viel versprechend.

Die heutige Sendung kümmerte sich besonders um Müllvergehen, weggeworfenen Zigarettenkippen, Rauchen an öffentlichen Orten mit Rauchverbot und schließlich zu wenig gewichtige Brote in einer Bäckerei.

Vielleicht mal ein Blick auf die Ankündigung der Sendung bei "Kabel 1" (Originalzitat von www.kabeleins.de).

Dreist, dreister, am dreistesten: Mülldetektiv Peter erwischt eine Frau, die ihre Zigarette an einem Baum ausdrückt. Das macht man und Frau in Frankfurt nicht ungestraft. Und: Leicht, leichter, am leichtesten – sind die Brote in einer Bäckerei. Hier ist der Kunde nicht König, sondern der Dumme. Bis Pia und Karsten vom Eichamt kommen.

 

So weit auch noch gut, aber mein Kritikpunkt deutet sich zumindest schon an, denn wer hier genau nachliest, der kann meinen Ärger vielleicht schon verstehen.

Ja ist es denn zu fassen? Da laufen doch allen Ernstes zwei Mitarbeiter des Eichamts in eine kleine Bäckerei und wiegen dort die Brote nach. Wieso denn bitte zu zweit? Wer soll das denn bitte bezahlen, könnte man fragen, oder?

Aber halten Sie sich fest, denn das ist ja noch nicht alles.

Besagter "Mülldetektiv" Peter – das muss man sich mal über die Zunge gehen lassen, Mülldetektiv – scheint der Ankündigung zu Folge ja allein unterwegs zu sein. Aber Mitnichten: Der liebe Peter läuft, oder fährt mit zwei, scheinbar stummen Kollegen durch die Gegend – vielleicht professionelle Bodyguards? – und kontrolliert gemeldete Müllhaufen, oder stellt bösartige Zigaretten-Verbrecher.

Nun, die Städte, die solche Mitarbeiter ihr Eigen nennen, machen natürlich eine Menge Einnahmen durch sie. Alleine eine fallen gelassene Zigarette kostet den "Täter" 20 €. Das ist zunächst mal eine Menge Geld für ein scheinbar leichtes Ordnungsvergehen. Aber warum schmeißt er (oder sie) auch einfach seinen offensichtlichen Müll auf die Straße? Er (Sie) verdient die Strafe, keine Frage.

Aber man muss nur sehr kurz überlegen, ob die Stadt Frankfurt, bei der der Mülldetektiv und seine Kollegen beschäftigt sind, tatsächlich Einnahmen mit einer solchen Aktion erzielt. Und bei drei zu zahlenden Gehältern, die einmal in der Stunde (vielleicht auch öfter, keine Ahnung) ein Müllvergehen für 20 € in bester Columbo-Manier "aufdecken", kann man das Geld geradezu klimpern hören, das die Stadt hierdurch verliert.

Ich denke die Eichämter werden sogar noch wesentlich höhere Gehälter zahlen, hier würde ich sogar annehmen, dass die Ausgaben für den Mülldetektiv und seine Kollegen, eher geringfügig sind, im Vergleich zu den Kosten, die das Eichamt täglich für zwei "streunende" Mitarbeiter verbucht.

Nochmal: Gegen das was diese Leute tun ist ja wirklich nichts einzuwenden, außer, das sie es zu so vielen tun müssen. Wenn ein Mülldetektiv dazu beiträgt, dass die Stadt sauber bleibt, ist dagegen ja nichts einzuwenden, aber drei? Zwei Eichbeamte für eine kleine Bäckerei?

Tja, ich kann mir sogar vorstellen, dass es bei diesem Unsinn irgendeine Vorschrift gibt, wie "Kein Mitarbeiter darf allein!", weil diese Jobs natürlich auch gewisse Gefahren bergen. Aber das rechtfertigt gewiss nicht die hohen Ausgaben, die durch diese Einsätze entstehen. Ich denke mal, eine Hauptschullehrerin ist weit gefährdeter als ein Mülldetektiv. Wird an den Schulen demnächst auch zu zweit unterrichtet?

Das ist den Städten höchstwahrscheinlich egal, denn die Personalkosten für Ordnungsämter gehen ja nicht auf die gleichen Konten wie die Einnahmen, die von denselben erwirtschaftet werden. Oder zumindest denke ich, dass die Stadt-Oberen es so sehen werden, denn: Wer das Haushaltskonten-System der Städte nicht kennt, der wird sich leicht durch hohe Einnahmen verwirren lassen, wenn er sie nicht ins Verhältnis mit den dazugehörigen Ausgaben stellen kann, weil ihm einfach die nötigen Fachkenntnisse (Studiengang mit Fachgebiet Verwaltung, oder Ausbildung zur/zum Verwaltungsfachangestellten, etc.) fehlen.

Kleiner Tipp an die Bürgermeister dieses Landes:

Wenn ihr schon Euer Geld zum Fenster raus werft, dann macht es doch bitte heimlich, so wie früher, als es noch überall Stadtdirektoren gab. Dann müssen wir armen Bürger, die euch dieses Geld ja in den … gesteckt haben, uns nicht auch noch darüber ärgern.

Wenn also "Kabel 1" mal wieder bei euch vor der Tür steht, mit einem Satz auf den Lippen wie "… und wir würden gerne eure Mitarbeiter filmen …", dann einfach „Och weißt du? Noe!“ sagen, die Tür schließen und ganz ruhig werden … . Werbung für die schöne Stadt ist ja was nettes, aber aus Werbung wird leicht Antiwerbung, oder? Und Geld herausschmeißen ist sicher eine gehörige Antiwerbung.

Alles Liebe,

Thorsten

 

 


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