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 Das Finanzamt schickt Ihnen den Vollstreckungsbeamten


Heute hatte ich mal wieder eine Begegnung der ungewöhnlichen Art:

Ein netter Mann namens Herr W. steht vor meiner Haustür und stellt sich als Gerichtsvollzieher vor. Ein Vollstreckungsbeamter? Ja, huch, was habe ich mir denn jetzt zu Schulden kommen lassen?

„Es geht um Ihr Auto!“, redet der nette Mann mit steinerner Miene, bei der mir das Blut in den Adern gefriert, weiter. Oh Schreck, denke ich, was ist denn nun auch noch mit meinem Auto? „Sie haben Ihre KFZ-Steuer nicht bezahlt!“

Erleichterung?

Auch! Aber vor allen Dingen fühle ich ein leichtes Grummeln in den Zehen, das sich langsam über die Beine in meinen Bauch ausbreitet. Als das Gefühl meine grauen Zellen erreicht und ich zu platzen drohe, lasse ich meinen Gefühlen freien Lauf. Nein, obwohl leichte Schläge auf den Hinterkopf bekanntlich das Denkvermögen erhöhen sollen, bin ich aber kein gewalttätiger Mensch und versuche mich verbal zur Wehr zu setzen.

„Und DAFÜR schickt man mir einen Gerichtsvollzieher? Warum schicken Sie mir keine Mahnung?“, frage ich.

Er: „So etwas macht man heutzutage nicht mehr.“

Nachdem ich mir ein paar fette Fragezeichen von der Stirn gewischt und mich von dieser Aussage leicht erholt habe, setzt sich meine kämpferische Ader durch und:

„… Stellen Sie sich mal vor was Sie den Steuerzahler kosten?“ frage ich.

„Nicht wirklich viel!“, antwortet Herr W. .

Ich: „Nicht viel? Nicht mehr als eine Mahnung?“

„Das schon!“ antwortet er.

Nach kurzem hin und her stellen wir beide fest, dass ein Anruf oder eine Mahnung weniger als einen lumpigen Euro gekostet hätte und dass es wohl ein wenig teurer ist, wenn der nette Herr W. mit seinem – wahrscheinlich extra für solche unnützen Fahrten angeschafften – Dienstfahrzeug durch ganz Velbert kutschiert um mir persönlich einen Staatsgeier auf meine Möbel zu kleben.

Herr W. ist sichtlich genervt und denkt wahrscheinlich etwas wie ‘… schon wieder so ein Fuzzi, der sich aufregt, … wahrscheinlich ein ganz normaler Betrüger, der mich jetzt einlullen will …’.

Man sieht es förmlich in seinem Kopf rattern und wahrscheinlich wünscht er sich gerade in irgendeiner Maschinenfabrik am Fließband zu arbeiten.

Schließlich, nachdem der kurze Denkprozess beendet und einige Worte hin und her gewechselt wurden, stellt Herr W. betroffen fest: „Das ist die heutige Zeit, Herr Hochstrate!“

Ich weiß nicht, was ich mehr empfunden habe, Verwirrung, Empörung, oder Erstaunen über diese freche Ausrede, warum man einem unbescholtenen Bürger, der jederzeit rechtzeitig seine Steuern abführt einen Gerichtsvollzieher auf den Hals hetzt.

„Sie hatten ja bereits zwei Monate Zeit das Geld zu bezahlen!“, setzt Herr W. siegessicher hinzu.

„Was?“ frage ich nach kurzem überlegen. „Ich habe doch eine Einzugsermächtigung erteilt!“

„Das kann ich nachsehen!“, erwidert der offensichtlich bestens vorbereitete Vollstreckungsbeamte pflichtgemäß und schaut – nicht etwa zum allerersten Mal? – auf die anderen Seiten seines Vollstreckungsbescheids. Nach kurzem Grübeln stellt er fest, „Ja, das stimmt, aber der Einzug hat nicht funktioniert!“

Nun …, meine Frage, warum man mich darüber nicht informiert, hätte ich mir besser sparen sollen, sie wurde ähnlich sinnvoll abgeschmettert, wie schon zuvor, also so wie „… das ist das Problem Ihrer Bank …“, etc. .

Herr W. fühlt sich zu meinem großen Ärger offensichtlich im Recht.

Statt mir ein Angebot zu machen, wie „Überweisen Sie den jährlichen Beitrag doch einfach in den nächsten Tagen …“, da ich die geforderte Summe nicht in Bar in meiner Wohnung herum liegen habe, schmettert Herr W. sogar mein letztes Angebot ab, den Betrag anzuzahlen und den Rest zu überweisen und bestellt mich stattdessen für den nächsten Tag um 8.30 Uhr in sein Büro, weswegen ich auch noch zur Bank muss, etc. .

Nun, nachdem mein erster Ärger über eine solch niederschmetternde Erfahrung etwas verraucht ist, möchte ich zu einer solchen Aktion meine ernsten Bedenken äußern.

Herr W. kann sicher nichts dazu, wenn man so behandelt wird, er kann wahrscheinlich froh sein, dass es solche Verfahrensweisen überhaupt gibt, die ich ansonsten vielleicht von einer Betrüger-Firma, die mit Hilfe eines Inkasso-Unternehmens ihre widerrechtlichen Geldmittel eintreibt, erwarten würde: Herr W. wäre sicher arbeitslos und der Staat um sein gesamtes Gehalt – abzüglich seines Harz-Vier Anspruchs – reicher, wenn man nicht so vorgehen würde, oder?

Aber lieber Vater Staat (Politik, Finanzamt, Kommune, …):

Vielleicht solltet Ihr euch mal überlegen, dass das Geld, was Ihr da verlangt und eintreibt nicht EUER Geld ist. Dieses Geld gehört zu gleichem Maße jedem Bürger, wie es Euch gehört. Die Bürger vertrauen Euch ihr Geld an, um sie und ihre Interessen zu vertreten. Und ein Finanzbeamter sollte sich mal überlegen, wer sein wirklicher Arbeitgeber ist! Nein, dass ist nicht der liebe Abteilungsleiter oder sonst ein hohes Tier, lieber Finanzbeamter, sondern, diejenigen, denen du die Steuern abknöpfst!

Das wenigste, dass wir dafür verlangen können ist ja wohl eine gerechte und freundliche Behandlung. Und jemandem einen Gerichtsvollzieher auf den Hals zu schicken gehört nach meinem Geschmack nicht gerade zum typischen Austausch von Höflichkeiten.

Zudem muss ich mich mal wieder fragen, wie unsere Steuergelder verplempert werden. Und nicht nur das, ein Anruf hätte auch weder die Umwelt belastet – schließlich fährt der nette Herr W. wie gesagt kein Fahrrad und auch ich müsste nicht unnütz zur Bank fahren – er hätte auch meine Nerven geschont und das Geld kurz nachdem die Abbuchung fehlgschlagen war in die Kasse gebracht!

Wenn Vater Staat weiter so mit dem ihm anvertrauten Geld umgeht, dann wird es Vater Staat nicht mehr lange schaffen, denke ich. Die Wahlbeteiligungen sprechen bereits Bände von der Unzufriedenheit der Bürger mit der Politik, aber das ist doch nur die Spitze des Eisberges.

Radikalität und Unzufriedenheit sind sich in ihrer Bedeutung mittlerweile schon wieder dermaßen ähnlich geworden, wie es schon bald seit einem ganzen Jahrhundert nicht mehr der Fall war.

Ich persönlich werde mir den Fall sicher genau einprägen. Zu meinem Bedauern, muss ich natürlich dazu sagen. Leider ist dies nämlich nicht das erste Mal, dass mir vom Finanzamt absolut unbegründet mit Vollstreckung gedroht wird. Scheinbar ist das die gängige Methode, wie man mit seinen Steuerzahlern in Deutschland mittlerweile umgeht, wie mir Herr W. ja witziger Weise auch noch bestätigt hat. Er meinte zwar, dass eine solch miese Behandlung gerechtfertigt sei, aber ich denke, dass es keine Rechtfertigung für Unfreundlichkeit und schlechtes Benehmen gibt und zwar vollkommen egal mit wem man so umgeht. Auch Verbrecher und Betrüger haben ein Recht auf Respekt und Freundlichkeit! (Vielleicht nicht gerade wenn sie mit einer Waffe vor einem stehen) Ein Bürger, der sich noch nie etwas zu Schulden hat kommen lassen, außer vielleicht einmal ein Parkknöllchen, sollte doch wohl mit einer freundlichen Behandlung rechnen können und das man ihm in jedem Fall entgegen kommt.

Naja, wenigstens war die Dame, die meine Steuern beim letzten Mal verbeutelt hat noch freundlich und kam nicht gleich so miesepetrig und unnachgiebig daher, wie der nette Gerichtsvollzieher heute. Damit ist der Ärger heute natürlich einiges ernster als das letzte Mal.

Vielleicht sollte ich bei der nächsten Steuerrückzahlung ähnlich reagieren und die fristgerechte Zahlung, die ich noch nie fristgerecht erhalten habe, per Rechtsanwalt und Gericht einklagen?

Selbstverständlich nicht! Nur weil diese Leute nicht denken können und deswegen unfreundlich und arrogant daher kommen, heißt es doch wohl, jetzt erst Recht! Ich werde sicher stets die Freundlichkeit in Person bleiben, wenn ich mit einem Finanzbeamten oder sonstigen Staatsdiener zu tun habe.

Alles Liebe,

Thorsten


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