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 Singletreffs oder Abzocker?


Vielleicht schon aufgefallen?

Ich versuche sämtliche Werbung für die so genannten Singletreffs, von meiner Seite zu verbannen. Warum?

Es sieht doch eigentlich ganz nett aus, wenn sich leicht bekleidete Damen, oder besonders hübsche Menschen, breit lächelnd (grinsend?) auf Werbebannern räkeln?

Naja, vielleicht. Aber sind diese Unternehmen so seriös, wie sie sich darstellen? Sind „Neu.de“, „Elitepartner“ oder „Flirtcafe“, etc. denn wirklich seriöse Unternehmen, die sich immer an das halten, was das Gesetz so vorschreibt?

Das kann ich nicht sagen, denn ich habe keine persönlichen Erfahrungen mit diesen Seiten. Ich habe mich zunächst mal nur deswegen entschieden, diese Werbung aus meinem Angebot zu entfernen, weil sie mit (meiner Ansicht nach) „unseriösen“ Fotos werben.

Leicht bekleidete Damen haben auf einem seriösen Webblog genau so wenig zu suchen, wie professionelle Fotos von Modells, die sich gewiss niemals auf einer der betreffenden Seiten angemeldet haben. Unter ein Foto Architekt zu schreiben, oder Designerin, liebe „Elitepartner“-Agentur, macht das sicher nicht glaubwürdiger.

Also schauen wir uns doch mal die AGB’s der betreffenden Angebote an.

Nun, hier finden wir fast durchgängig, was mich immer wieder zum verzweifeln bringt. Wie kann es in einem Rechtsstaat sein, dass in Allgemeinen Geschäftsbedingungen ein Satz auftaucht wie:

Der Vertrag zwischen dem Kunden und dem Betreiber kommt dann zustande, wenn der Benutzer nach Eintrag seiner persönlichen Angaben mittels des Buttons seine Anmeldung bestätigt.

Ist das etwa rechtlich einwandfrei? Hier geht es ja nicht um eine Ware, die verhandelt wird, sondern um einen Vertrag mit Laufzeit. Drückt man den Button, dann schließt man damit einen Vertrag über etliche Monate ab, den man nur abwenden kann, wenn man sich auf das Fernabsatzgesetz beruft und den Vertrag innerhalb der ersten vierzehn Tage widerruft.

Meine Aufforderung an Sie: Lesen sie immer die AGB’s und drücken Sie niemals auf solche „Buttons“, wenn Sie damit direkt und ohne eine Leistung zu erhalten einen Vertrag eingehen. Eigentlich bezahlen sie in den hier genannten Fällen ja nicht für eine Leistung. Sie bezahlen nur für das Angebot einer Leistung.

Ob und inwieweit sie tatsächlich jemanden finden, der mit ihnen „kompatibel“ ist, das hängt von ihrer eigenen Leistung ab. Sie werden nicht vermittelt, sondern sie bekommen „Vorschläge“, die sie dann mal anschreiben können und … .

Mal ehrlich, wenn Google monatliche Gebühren kosten würde, würden sie diese bezahlen? Nichts anderes sind doch diese Singletreffs. Oder?

Zurück zu den AGB’s:

Manche der Angebote beziehen auch Jugendliche in ihr Angebot mit ein. So ist zum Beispiel das Angebot „Flirtcafe“ schon ab vierzehn Jahren zugänglich.

Hier hört für den diplomierten Sozialpädagogen (also mich) der Spaß auf, denn:

Einem vierzehn jährigen eine Art Partnervermittlung anzubieten ist nicht nur ethisch verwerflich, es grenzt sicher an Betrug.

Kinder und Jugendliche zwischen sieben und achtzehn Jahren sind nur begrenzt geschäftsfähig, sie benötigen zum abschließen eines Vertrages eine Zustimmung eines Erziehungsberechtigten. Einzige Ausnahme stellt der sogenannte Taschengeldparagraph (§110 BGB) dar, der besagt, dass Kinder und Jugendliche mit den Mitteln die ihnen regulär zur Verfügung stehen (Taschengeld) Verträge eingehen können, die im Rahmen ihrer Möglichkeiten liegen.

Also können vierzehn-jährige einen Vertrag mit einem Singletreff eingehen, oder nicht? Die Beiträge meines Beispiel-Singletreff „Flirtcafe“ liegen bei unter einem Euro und sind von daher doch durchaus im Rahmen des Taschengeldes eines vierzehn jährigen?

Die Antwort kann, wie in unserem lieben Lande üblich, leider nur ein Richter geben, wenn es um den Einzelfall geht.

Im allgemeinen kann ich hier als Nichtjurist keine Antwort, sondern nur meine Meinung wiedergeben.

Wenn ein vierzehn jähriger einen Vertrag eingeht, im Sinne des Taschengeldparagraphen, dann ist damit gemeint, dass er sich mal ein Eis kaufen kann, oder vielleicht eine etwas größere Anschaffung tätigen, wenn er gespart hat. Einen Vertrag mit monatlich wiederkehrender Zahlung kann er meines Wissens nach überhaupt nicht ohne Genehmigung eines Elternteils eingehen. Das gilt für das Abonnement der „Bravo“ genau so wie für die Mitgliedschaft bei einem Singletreff.

Ich halte also für mich fest: Die AGB’s verschiedener Singletreffs sind zumindest zweifelhaft und in jedem Falle unseriös, was nicht unbedingt bedeutet, dass sie gesetzwidrig sind.

Aber wie sieht es denn nun mit der sonstigen Seriosität dieser Angebote aus?

Tja, kommen wir also zu den Methoden der Betreiber, wie gehabt an unserem Beispiel „Flirtcafe“.

Zunächst mal findet man bei diesem Portal, nirgendwo, außer in den AGB’S die monatlichen Gebühren. Wenn das mal rechtens ist?

Nun, das Internet hat eine Menge zu sagen zum „Flirtcafe“, hier einige Highlights.

  1. Spam: Nach Kündigung oder bei Abbruch des Anmeldevorgangs wird die (bereits) angegebene email mit täglichen Spam-Mails attackiert, was bei Kündigung aufhört, bei Abbruch der Anmeldung nach Eingabe der email wird scheinbar das email-Fach des Betreffenden unendlich mit Mails bombardiert.

  2. Keine Reaktion auf Kündigung per FAX oder email, ja sogar bei Kündigung per Einschreiben berichten einige „Ex-Mitglieder“ davon, dass die Abbuchung der Beiträge nicht eingestellt wurden. Andere berichten, dass die Kündigung bei Einschreiben mit Rückschein, nicht aber bei FAX und email akzeptiert wurde, was aber ausdrücklich in den AGB’s als Kündigungsweg angeboten wird. Es gibt sogar eine Extra-email-Adresse für die Kündigung, ob die Kündigung hier funktioniert wird nicht berichtet.

  3. Viele (Ex-) Benutzer berichten von so genannten „Fake-Benutzern“. Im Fall „Flirtcafe“ schreiben Ex-Benutzer, dass ein „Großteil der Frauen“ Fakes, also nicht existierende Benutzer, seien und das viele Benutzer schon lange nicht mehr im System seien und immer noch als aktive Benutzer gelistet würden.

  4. Natürlich gibt es auch einige Benutzer, die positives über Flirtcafe zu berichten haben. Von „Bester Singletreff“ bis „ebay für Singles“ sind alle Bewertungen dabei.

Ich wiederhole noch einmal, dass diese Sammlung gerade nicht auf meiner eigenen Erfahrung basiert und das „Flirtcafe“ nur als Beispiel herangezogen wurde.

 

Für mich gilt festzustellen: Singletreffs sind zweifelhafte Internet-Unternehmen.

Wer sich bei einem Singletreff anmeldet muss mit zum Teil immensen (z. T. versteckten) Kosten rechnen, kann damit rechnen, dass er es mit falschen und ausgedachten Kontakten zu tun bekommt und und und.

Ich würde jedem empfehlen die Finger von solchen Angeboten zu lassen, zumal es auch genügend wirklich kostenfreie Angebote gibt und: Wir leben in einer Welt mit Milliarden von Menschen. Geht doch einfach mal auf die Straße und trefft ein paar von denen.

Angst? Na dann habt ihr doch sicher ein Hobby, das ihr mit jemandem teilt. Sucht mal bei „Google“ oder „Yahoo“ nach Foren oder Vereinen, etc., die sich mit diesem Hobby beschäftigen. Wenn ihr da Leute ganz privat kennen lernt, dann habt ihr sicher mehr davon!

Nochmal zum Thema zurück: Ich verstehe nicht, wie es in unserem Land rechtens möglich ist ein Angebot ohne explizite und deutliche Nennung von Kosten zu machen. Wie kann es sein, dass man etwas in Rechnung gestellt bekommt, ohne überhaupt zu Wissen, dass man etwas gekauft hat? Ist eine öffentliche AGB ein Alibi für das eben genannte? Reicht es irgendwo klein gedruckt die Kosten für ein Angebot zu erwähnen, so ganz nebenbei? Wie kann es sein, dass ein Unternehmer nicht auf eine Kündigung reagiert? Und so weiter und so fort.

Die Antwort ist einfach: Wir Bürger sind unmündig, wir können nicht mit solchen Unternehmen umgehen und leisten jeglichem Betrug damit Vorschub, indem wir auf alles klicken was uns vor die Maus kommt.

Wenn dem so ist, dann brauchen wir Gesetze, die uns schützen, die uns wieder vertrauen lassen, weil es einfach keine Chance mehr gibt um uns das Geld aus der Tasche zu ziehen. Und hier ist die Politik gefragt.

Allerdings wäre es für uns alle einfacher (Politik ist soooo langsam), wenn wir mal erwachsen würden und uns nicht mehr nur auf andere verlassen. Wenn es keine Menschen gibt, die auf solche Angebote rein fallen, weil sie sich das schnelle Glück versprechen, dann gibt es diese Angebote nicht mehr. Hier gilt wie fast überall: Es gibt kein schnelles und einfaches Glück! So etwas gibt es nur im Märchen!

Also Finger weg von der Maus, so lange es keine Gesetze gibt die uns ermöglichen jeden Link im Internet zu benutzen, ohne betrogen zu werden. (oder uns sogar vermeintlich strafbar zu machen?)

Oder?

 

Alles Liebe,

Thorsten

Bitte auch lesen: web.hochstrate.be/2008/08/01/vetrauen/ !!


Kommentare

2 Kommentare zu “Singletreffs oder Abzocker?”

  1. Thorsten am August 3rd, 2008 14:10

    Ich bitte zu entschuldigen, wenn neben diesem, oder anderen Artikeln immer wieder Werbung von Firmen auftaucht, vor denen ich gerade in diesem Artikel warne, oder sonstige hirnlose Google-Anzeigen.
    Ich versuche Werbung, die tendenziell ist oder bewußt auf menschliche Schwäche ausgelegt ist so gut es geht von meinem blog fern zu halten.
    Leider muss ich, wie jeder andere Mensch Geld verdienen und da diese Webpräsenz hier ein recht zeitintensives Hobby ist, bin ich auf Werbeeinnahmen mittlerweile angewiesen, … .

    Liebe Grüße,

    Thorsten

  2. Thorsten am August 9th, 2008 09:33

    Ich werde an dieser Stelle für alle die auf der Suche nach einem Partner verzweifeln, weil sie schon wieder auf einen “Singles kostenlos”-Nap reingefallen sind, eine Art “Whitelist” führen, in der Single-Treffs aufgeführt werden, die meines Wissens (!) ohne Schummel-AGB und ohne sämtliche Kosten auskommen. Die anspruchsvolleren dieser Treffs, finanzieren sich durch Werbung, einige durch nervige popups, was aber im Zeitalter des popupblocker kein Problem mehr sein sollte. Wer besonders freundlich zu seinen Kunden ist, finanziert sich selbstverständlich durch Sponsoren, die eine Nennung verdienen, aber keine explizite Werbung wollen. Von hier aus ein ganz liebes Dankeschön an alle Sponsoren, die sich so fair gegenüber ihren Mitmenschen verhalten.
    Ich übernehme keinerlei Garantie für die Richtigkeit der Angaben und werde diese Treffs selbstverständlich nicht ausprobieren, ich hab’ ja ‘ne Freundin! Selbstverständlich mache ich mir die Mühe die AGB’s zu begutachten und sobald ich Kosten oder Teilkosten finde, fliegt der entsprechende Eintrag raus!
    Für Hinweise auf falsche Angaben — die AGB kann sich ja auch jederzeit ändern — wäre ich natürlich sehr dankbar!
    Ich werde aus rein ethischen Gründen keine Blacklist führen, ich finde so etwas genauso abstossend, wie die Angebote, die eigentlich in eine Blacklist reingehören.

    Alles Liebe,

    Thorsten

    folgender Kommentar wurde verschoben und als eigener Artikel angelegt.
    http://web.hochstrate.be/2008/08/14/singletreffs-whitelist/

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