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 Vista Superfetch und Indizierung, schädlich?


Allgemein bekannt ist wahrscheinlich mittlerweile, dass Windows-Vista Daten von der langsamen Festplatte zur besseren Verfügbarkeit in den Hauptspeicher des Computers lädt, kurz „Superfetch“ genannt. Das soll darlegen, dass es sich um eine Weiterentwicklung des schon von Windows-XP bekannten „prefetching“ handelt.

Die Idee ist denkbar einfach: Das System schaut einfach mal nach, welche Programme der Benutzer häufig nutzt und lädt diese Programme vorsorglich in den Arbeitsspeicher um die Programme schneller starten zu können.

Zudem enthält Vista (wie auch schon seine Vorgänger) eine Indizierungs-Möglichkeit, die für eine schnellere Durchsuchung der Festplatten-Daten sorgen soll. Das System der Indizierung ist simpel, Vista legt für bestimmte (auswählbare) Ordner oder Festplatten Index-Datenbanken an, die dann bei einer Suche über diesen Bereich als Ersatz für die tatsächliche Suche durch die Dateien herangezogen werden. Klar ist dabei, ein Indexeintrag ist im Verhältnis zur Suche einer Datei durch etliche Gigabytes von Daten erheblich schneller zu finden.

Ermöglicht wird die Indizierung allerdings durch eine ständige Überwachung der indizierten Bereiche, denn kommt hier eine Datei dazu, oder ändert sie sich, bzw. fällt weg, so muss auch der Index angepasst werden. Stellt man sich vor, man legt einen Index auf einen sich ständig ändernden Bereich, dann wird klar, wieviel Arbeit der Computer leisten muss um den Index aufrecht zu erhalten.

Das Ergebnis der beiden Vista-Dienste: Ständige Aktivität der Festplatten des Systems.

Nicht Thema dieses Artikels sollen die üblichen Bedenken gegenüber den genannten Mitteln sein: "Das nervt, meine Festplatte ackert die ganze Zeit", "Hab ich einen Virus?", "Mein Rechner braucht ewig, bis ich endlich richtig mit ihm arbeiten kann.", "Mein Spiel stürzt ständig ab, da stand ich hätte keinen Speicher frei, aber ich hab doch x Gigabyte", und so weiter und so fort.

Diese Sachen sind sicherlich zum Teil lästig und von daher durchaus zu Recht in die Benutzerkritik geraten, aber hierzu gibt es schon so viel zu lesen, dass es nicht noch einen Artikel darüber braucht.

Ich möchte mein Augenmerk auf einen ganz anderen Aspekt dieses Phänomens legen: Die Haltbarkeit der Festplatten und, zumindest im Fall des Superfetch auch die des Arbeitsspeichers.

Betrachten wir zunächst einmal die einzelnen Methoden:

Wollen wir eine Einschätzung der tatsächlichen Festplattennutzung geben, so scheitert das selbstverständlich an den Methoden zur Ermittlung der Festplattenaktivität.

Aber eine recht gute Veranschaulichung des Problems bietet der Windows-Ressourcenmonitor. Schaut man sich die Festplattenaktivität bei eingeschaltetem Superfetch an, so stellt man fest, dass die Festplattenaktivität recht häufig im Bereich Mb/s gemessen wird. Stellt man das Superfetch aus (s.u.), so gelangt man fast sofort wieder auf den Standard von kb/s bzw. b/s, was sicher verdeutlicht um welche Größenordnung von zusätzlicher Aktivität es hier geht. Zudem fällt natürlich auf, dass die Anzahl der Zugriffe auf den Arbeitsspeicher und die tatsächliche Speichernutzung sich deutlich erhöhen.

Geht man nach der gleichen Methode vor, so stellt man schnell fest, dass das Ergebnis bei weitem weniger beeindruckend ist, als das zuvor genannte Phänomen, aber bei längerer Betrachtung fällt doch ein deutlicher Unterschied zwischen der Festplattenaktivität mit angeschalteter Indizierung und der mit abgeschalteter Suchunterstützung auf. (Immer Leerlaufaktivität vorausgesetzt)

Zwischenfazit? Ich habe hier keine wissenschaftlichen Methoden angewandt und kann so kein echtes Ergebnis vorweisen, aber ich stelle dennoch fest:

Beide Methoden belasten die Festplatte erheblich, was mir, zumindest wenn es um Festplatten mit sensiblen Daten geht, zu denken gibt.

Wie sieht es denn mit der tatsächlichen Zeitersparnis aus?

Bei der Computersuche ist die Zeitersparnis keine Frage. Ein indizierter Bereich wird etliche Male schneller durchsucht als ein nicht indizierter.

Aber beim Superfetch ist das nicht so einfach.

Wenn ich einen Computer standardmäßig benutze, dann habe ich sicherlich eine Menge Programme, die ich nacheinander starte und wieder schließe. Ich habe gewiß meine Favoriten, wie Internet-Browser, email-Programm und Office-Anwendung. Wenn ich diese Anwendungen schnell starten kann, ist das ein klarer Vorteil, aber: Diese Programme stehen nie alleine. Bestes Beispiel ist ein Internet-Browser, mit seinen etlichen PlugIns und AddOns sowie anhängenden Anwendungen wie etwa Mediaplayern und so weiter. Nicht zu vergessen sind Konfigurationseinstellungen etc. und dass moderne Programme sicher nicht als Gesamtwerk in den Speicher geladen werden, sondern in vielen kleinen Modulen.

Hier wird klar, dass eine Menge Dateien in den Hauptspeicher geladen werden müssten um eine tatsächliche Zeitersparnis zu erzielen.

Die tatsächliche Zeitersparnis hängt also davon ab, wie viel Speicher ich dem Superfetch zur Verfügung stelle, sprich von meinem Geldbeutel. Ich wage sogar zu behaupten, dass Superfetch ein System mit wenig Speicher eher bremst als es zu beschleunigen.

Mein Fazit?

Ich würde Leuten mit viel Geld für immer neue Einzelteile an ihren Computern nicht davon abraten Superfetch zu benutzen. Allerdings sollte man sich darüber im klaren sein, dass man bei einer defekten Festplatte viel Zeit investieren muss, um sein System neu aufzubauen. Ich möchte hier nicht behaupten, dass Superfetch die Festplatte beschädigt, das wäre tatsächlich Unsinn, aber durch die erhöhte Nutzung ist es selbstverständlich, das die Lebensdauer der beteiligten Geräte, also auch des Arbeitsspeichers verringert wird.

Wenn einen das nicht stört, kann man sowohl die Indizierung als auch das Superfetch laufen lassen und erhält so möglicherweise ein schnelleres System, was meiner Ansicht nach vom jeweiligen System abhängt.

Wen es doch stört, der sollte folgendes tun:

Wenn sie das erfolgreich getan haben, sinkt die Festplattenaktivität erheblich und ihre Festplatte und ihr Arbeitsspeicher werden es Ihnen sicher danken, ganz zu schweigen von ihren Nerven (s.o).

Liebe Grüße,

Thorsten Hochstrate


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