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 Wenn Werbung … Extrawurst


Und schon wieder hat uns unser beliebter Reporter Hurry Flinkschreib einen seiner wunderbaren Artikel zugesandt. Sein heutiger Artikel dreht sich um die Werbung einer großen Reisegesellschaft. Und wieder setzt er sich mit der Frage auseinander, was wäre denn, wenn Werbung wirklich ehrlich wäre?

Lesen sie selbst, was der berühmte Reporter zu sagen hat.

„Heute habe ich für Sie ein ganz besonderes Schmankerl auf Lager, ich war nämlich gerade im Urlaub.

Um es genau zu nehmen, war ich auf einer Dienstreise, denn ich habe mich mit einer Werbung beschäftigt, die einen Mann zeigt, der einen wunderschönen Urlaub verbringt. Also dachte ich mir, buche ich doch eine Reise beim gleichen Reiseveranstalter und schau mal, ob es wirklich so wunderschön ist, wie die Werbung verspricht.

Die Werbung, beginnt mit unserem Reisenden, der von einer kleinen Motorjacht auf eine Insel gebracht wird, auf der er von einem Pagen begrüßt wird, der ihm wortlos seinen Koffer abnimmt und ins Hotel bringt.

Meine Reise verlief da ein wenig anders:

Nachdem ich von einem heruntergekommenen Doppeldecker, der gewiss schon im ersten Weltkrieg als Oldtimer gegolten hätte, auf die selbe Insel gebracht worden war, die auch in der Werbung gezeigt wurde, schmiss der Pilot mein Gepäck auf die Asphaltpiste, auf der wir gelandet waren und startete sofort wieder. Von dem netten Pagen, war allerdings keine Spur, na vielleicht hatte man mich vergessen?

So machte ich mich denn allein gelassen und zu Fuß auf den Weg zu meinem Hotel, worauf ich mich schon sehr freute. Immerhin war das Hotel in der Werbung ja wunderschön, in einer idyllischen, einsamen Lagune gelegen und hatte einen herrlichen Swimmingpool. Am meisten freute ich mich allerdings auf die komfortable Bar, denn seit meinem letzten Artikel, habe ich immer wieder das Bedürfnis mich in schwierigen Lagen ein wenig zu erfrischen.

Zu meinem anfänglichen Ärger – schließlich bin ich ein weit gereister und erfahrener Mensch, kann mich also recht gut beherrschen – konnte ich das Hotel zuerst hören, bevor ich es zu meinem weiteren Bedauern auch sehen konnte.

Ich hatte mich schon gewundert, ob ich in die falsche Richtung gelaufen war, als ich den Baustellenlärm hörte, aber mein Navigationssystem hatte mich unzweifelhaft genau auf den Lärm zu geführt.

Als ich dann über die letzte Hügelkuppe kam, sah ich mit großer Verwunderung ein völlig heruntergekommenes Gebäude, dass beinahe so aussah, als wolle es jeden Moment einstürzen.

Nun verstand ich natürlich auch, warum der Baulärm und diese beiden großen Baukräne mich, statt einer wunderhübschen jungen Frau und einem Cocktail – eben wie in der Werbung – willkommen hießen.

Ich dachte mir, was soll’s und freute mich schon auf die lecker aussehende Obstschale, die mich in meinem großzügigen Appartement empfangen würde, aber leider irrte ich mich auch hier.

Als ich in mein Einzimmerappartement mit etwa fünf Quadratmetern ging, begrüßte mich statt einer ansehnlichen Obstschale ein recht großer und unappetitlicher Kakerlak, der keinen Zweifel daran ließ, wer hier der Chef war. Na zumindest ließ er keinen Zweifel daran, dass ich es nicht war, indem er ziemlich bedrohlich mit seinen Beißwerkzeugen klapperte.

Nachdem er mich kurzer Hand aus dem Zimmer gedrängt hatte – ich sagte ja, der Kakerlak war ziemlich groß – dachte ich mir, es wäre nun an der Zeit, mich bei der wunderschönen Empfangschefin aus dem Werbeclip vorzustellen und meinen Extrawurstspruch anzubringen, vielleicht in der Hoffnung, dass meine Extrawurst darin bestand, das alles besonders mies und schrecklich war.

Leider fand ich am Empfang nur eine mittelalte, extrem dicke Dame in einem Feinripp-Unterhemd – ja ich weiß, schon der Gedanke daran ist etwas schauerlich – die mir klar und deutlich zu verstehen gab, dass sie meiner Sprache nicht mächtig und darüber auch recht froh war, weil sie sich nicht anhören musste, was ich ihr zu sagen hatte.

Kurzentschlossen buchte ich meinen Rückflug und zwar telefonisch, was mich einen Hundert-Euro-Schein und beinahe meine seelische Reinheit kostete – die Empfangschefin schien sehr angetan von mir, nachdem ich ihr das Geld gegeben hatte. Vielleicht hatte sie auch etwas missverstanden?

Nun, damit bin ich am Ende meines Reiseberichts und komme nun zum Resümee.

Halten wir also fest, die Werbung hat von vorne bis hinten leicht übertrieben, bis auf eine einzige Stelle:

Der Mann scheint davon überzeugt, der gute Service würde nur seinetwegen inszeniert und schließlich kennt die Frau ihn nicht einmal, was ihn wohl wundert.

Aber mich wundert das nicht, denn: Wer zum Teufel ist dieser merkwürdige Mann mit dem komischen Akzent?

Vielleicht schreiben Sie mir einfach einen Leserbrief, mit dem Namen dieses komischen Kauzes, dafür wäre ich Ihnen sehr dankbar.

In diesem Sinne, bis zur nächsten Werbung, Euer aller,

Hurry Flinkschreib“
 

Ob es allerdings eine Fortsetzung dieser Serie geben wird, ist der Redaktion noch unklar, denn unsere Buchhaltung hat gestern die Spesenabrechnung unseres lieben Reporters bekommen und es ist noch nicht sicher, dass wir unsere Internet-News noch weiter produzieren können.

Mit besten Grüßen,

Die Redaktion

 

 


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